Geschichte

Anno 1937 steht auf dem handgeschnitzten Schild im Mündungsbereich von Bardenflethstraße und Am Vorfeld, dem Ort, den die Grollander ihren Marktplatz nennen. Die erste urkundliche Erwähnung des „Groenlandes“ geht indes auf das Jahr 1189 zurück.

Das Gut Grolland gehörte ursprünglich zu Oldenburg. Im Jahre 1653 verkaufte Graf Anton Günther, der in der Hansestadt wegen seiner Bemühungen, den Bremern einen Weserzoll abzuverlangen, nicht beliebt war, das Gut an zwei Bremer Bürger. Das lieferte dem Senat 150 Jahre später Argumente, Grolland auch staatsrechtlich der Hansestadt einzuverleiben. Der Reichsdeputationsbeschluss von 1803 besiegelte die Trennung Grollands vom Herzogtum Oldenburg. Allerdings dauerte es noch ein Jahr, bis Bremen und die Abgesandten des Herzogs alle Details ihres Abkommens zur Übergabe Grollands regelten. Erst am 24. September 1804 wurde ein entsprechendes Protokoll unterzeichnet.

Wer um 1910 an der Ochtum stand und nach Kirchhuchting blickte, sah nur Wiesen und Weiden. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde dann in Nachbarschaft zu nur wenigen Hofstellen das Gasthaus „Grollander Krug“ erbaut. Erst in den 1930er Jahren kamen die Siedlungshäuser hinzu.

Dieses Bauvorhaben einer Gartenstadt in einer Größe von750 Siedlerstellen sollte durch „Gemeinschaftsanlagen, wie Schule, Sportplatz, Grünanlagen, Gemeinschafts- und Geschäftshäuser den Charakter einer Kleinstadt“ erhalten. Nicht weniger als 42 verschiedene Siedlerhaustypen wurden in Grolland verwirklicht.  Was das „Dorf vom Reißbrett“ auszeichnete, war eine besonders sorgfältig gestaltete Struktur. Trotz der zum Teil recht langen Straßen sollte der Eindruck monotoner Reihung vermieden werden. Leicht gekrümmte Straßen, Höfe, Anger und Plätze unterschiedlicher Größe, eine scheinbar lockere, in Wirklichkeit aber sehr durchdachte Streuung abwechselnder Haustypen erzeugte eine gestalterische Vielfalt, bei der „das Grün“, die Gartenarchitektur im Vordergrund steht.

Die Grundstücke waren auf 1.000 Quadratmeter bemessen. Nach Abzug des Bauplatzes blieben den Siedlern 900 Quadratmeter für einen Garten übrig, der ihre wirtschaftliche Lage verbessern sollte.  Viele schafften sich Hühner oder Kaninchen an. Es war auch erlaubt, ein Schwein schlachtreif zu füttern.

„Man konnte von einer Straße zur anderen sehen, kein Baum, kein Strauch, dort wo später die Gärten entstanden“, schrieb der 1946 in Grolland geborene Jürgen Wagenfeld 1962 in einer Schularbeit. Erwin Simon erinnerte sich in der Festschrift zum 40-jährigen Bestehen der Siedlung Grolland I daran, als seine Eltern nach Grolland „in ein Haus am See“ zogen. „Eine richtige Wasserwüste umgab das Häuschen.“ Die Straßen waren nicht gepflastert, so dass der schwergewichtige Bäcker mit seinem Dreirad manchmal vom Knüppeldamm abkam und in ein Matschloch stürzte. Aber Grolland war ein Paradies für Kinder. Geschwommen wurde in der Ochtum, man konnte Flöße bauen, Fußball spielen. Und Streiche: „Da die Gartenpforten überall gleich waren,  konnte man sie herrlich austauschen, die von Meier zu Schulze und die von Schulze fünf Häuser weiter“, so Simon.

Mittlerweile gibt es diese gleichen Pforten nicht mehr. Auch die ursprünglich rote Farbe an den Hauswänden ist verschwunden. In den Vorgärten der umgebauten Eigenheime wächst statt Grünkohl Rasen. Ottmar Hinz warnte in seinem Grolland-Buch schon 1990 davor, die letzten unverwechselbaren Siedlerhäuser in Allerweltsvillen umzubauen. Er hoffte, dass die Ururenkel der ersten Siedler die besondere Ausstrahlung ihrer Gartenstadt künftig nicht nur in alten Fotoalben studieren können.


Ein Buch zur Geschichte Grollands ist gerade in Vorbereitung, nähere Informationen gibt es unter www.grollandergeschichten.de http://www.grollandergeschichten.de