Hier stellen wir Ihnen Grollander Geschichte(n) vor!

 

  

„War Milch-Meyer schon da?“
  

Wilhelm Meyer versorgte die Siedlung in den Nachkriegsjahren täglich mit frischen Molkereiprodukten. Zuerst war es ein Goliath, später ein Hanomag, mit dem Milch-Meyer durch Grolland rollte. Wenn er eine seiner Haltestellen erreichte, klingelte er laut hörbar mit seiner Glocke und die Hausfrauen strömten herbei.

 

MilchMeyer in Aktion

 

Unsere Klönschnack-Runde „Grollander Geschichte(n)“ kommt monatlich im Siedlungshäuschen zusammen und widmet sich regionalhistorischen Fragen. Immer wieder geht es dabei auch um Alltagserfahrungen und Döntjes. In der Juni-Ausgabe unserer Mitgliederzeitschrift „Grollander Haus und Garten“ wurde dieser Artikel über den Grollander Milchmann, Wilhelm Meyer, veröffentlicht.

Wilhelm Meyer war mit seinem Milchwagen ein echtes Grollander Original

Milch-Meyer war ein echtes Grollander Original. Wir erinnern 40 Jahre nach seinem Tod an den einst durch Grolland fahrenden Lieferanten von Molkereiprodukten.

„Auf seine Art war er zuverlässig, denn er kam jeden Tag. Man wusste nur nicht wann“, schmunzelt Renate Rochner: „Wilhelm Meyer war ein gemütlicher, etwas rundlicher Mann, mit vollem immer etwas rötlichem Gesicht, immer mit Schirmmütze und behäbigen Bewegungen.“ Alle nannten ihn Milch-Meyer, er versorgte die Siedlung seit der frühen Nachkriegszeit mit Milch, Eiern, Brötchen und Quark. Zuerst lieferte er mit Auto und Anhänger. Später konnte er sich einen dreirädrigen Goliath, mit einem 500 Liter fassenden Thermos-Tank und einer messingverchromten Schiffsglocke, anschaffen.  Im Winter hatte Milch-Meyer mit diesem Fahrzeug seine  Mühe. Weil  das einzige Vorderrad für den Antrieb sorgte und der Schnee in der Straßenmitte meistens sehr hoch lag, ging es nur schleppend voran. Herbert Löhmann erinnert sich auch noch, dass der Wagen ziemlich PS-schwach war. Er und ein paar andere Jungs hielten sich gerne an der Pritsche fest und machten Milch-Meyer damit das Anfahren schwer.
Die tägliche Frage aller Hausfrauen zu jener Zeit war: „Haben Sie heute schon Milch-Meyer gesehen?“ Denn, so erinnert sich Renate Rochner, „Milch-Meyer hatte keinen festen Fahrplan. Mal fing er am Vorfeld mit seiner Tour an. Ein anderes Mal startete er in der Huntorpstraße. Mal stand sein Auto allein in der Vehrels, weil er gerade eine kleine Pause bei einer Siedlerfamilie einlegte. Manchmal kam Milch-Meyer früh, manchmal auch erst gegen Mittag.“
Seine Ladefläche war mit großen Holzfässern voller Quark gefüllt. Die Not und der Hunger waren so groß, dass er bei einem einzigen Halt in Minutenschnelle ausverkauft sein konnte. „Daher musste mein Vater täglich wechselnde, unvorhersehbare Haltestellen wählen“, erklärt seine Tochter Renate die Unberechenbarkeit seiner Touren. Renate Meyer hat uns für diesen Artikel  die Fotos zur Verfügung gestellt.
Daran, wie Milch-Meyer mit den Holzfässern auf dem Wagen vorgefahren kam, erinnert sich Renate Rochner noch ganz genau: „Oft kam er unerwartet am Nachmittag und mit einem großen Holzfass voll Quark zu uns in den Hof. Natürlich gab es diese Ladung zusätzlich, ohne Lebensmittelmarken. Sofort rannten alle mit Schüsseln los. Meine Mutter bekam immer eine große Portion, Milch-Meyer hatte  seine Vorlieben und wusste, dass wir zu Hause sechs Kinder waren. Zu guter Letzt warf er die leere Tonne vom Wagen, das war das Zeichen für Rolf Kohlstock, einem Nachbarsjungen. Er kroch fast ganz in das Fass hinein, um die Reste auszulecken. Mir bleibt Milch-Meyer als Quark-Wohltäter in ärmlichen Zeiten in bester Erinnerung.“     (gmö)


Grolland-Rundgänge zur Geschichte des Ortsteils finden in unregelmäßigen Abständen statt, nähere Informationen und Termine gibt es unter www.grollandergeschichten.de/rundgang-mit-smartphone/